Geschichte
Das Denkmal Neustädter Hof


Ehe das heutige Haus errichtet wurde, standen an dieser Stelle nebeneinander zwei Wirtschaften, von denen die eine 1874 durch einen Johann Baptist Hilbert eröffnet worden war. Beide Gasthäuser brannten ab.

Infolge des Bahnbaus entstand sodann das Hotel "Neustädter Hof“, das 1899 im Besitz eines Benedikt Pfeifer war. Am 14.11.1904 erwarb schließlich Karl Fehrenbach das Hotel. Der aus Breitnau stammende Karl Fehrenbach war mit  Emilie Winterhalder verheiratet, die aus der bedeutenden Schwarzwälder Uhrmacher bzw. Uhrenfabrikantenfamilie Winterhalder stammte. Bis 1983 blieb die Familie Fehrenbach im Besitz des Hotels. Ein Brand im Jahre 1975 zerstörte das Dach und das oberste Geschoß des Hauses. 1976/77 wurde die Dachzone des Hotels in leicht veränderter Form wiederhergestellt. Hierbei wurde unter anderem auf einen kleinen Giebelausbau mit Fachwerk an der Nordseite verzichtet sowie das Dach mit Negativgauben versehen.

Bei dem Hotelgebäude handelt es sich um einen glatt verputzten Bau mit verschiedenen Risalitausbildungen (Vorsprünge).

Die dem Postplatz zugewandte Gebäudeecke ist abgeschrägt und nimmt einen zweigeschossigen Turmerker auf. Besonders zu erwähnen ist die Fassadendekoration des Hauses. So ist das Erdgeschoss durch große, annähernd rundbogige Fenster geöffnet, deren Rahmen kunstvoll historisierend skulptiert sind. Die Rahmen der etwas kleineren Obergeschossfenster zeigen verhältnismäßig aufwendig dekoriert gotisierende Rahmen. Eckquader bestimmen auf markante Weise die Ecken des Gebäudes, bzw. die Kanten der einzelnen Risalite.


Einen besonderen Akzent am Gebäude bildet der Eckerker mit seinem dekorativen Sichtfachwerk, dem kleinen, ihn umschließenden Balkon sowie der Zwiebelhaube, die durch eine elegante Laterne bekrönt wird und dieser wiederum eine Zwiebelhaube aufgesetzt ist.

Trotz der Erneuerung infolge des Brandes bietet das Äußere des Hauses auch heute noch mit seinen asymmetrisch konzipierten aber doch ausgewogen wirkenden Fassaden und den abwechslungsreichen Dekorationsformen ein aussagekräftiges Beispiel von Hotelarchitektur der Jahrhundertwende im Hochschwarzwald.

Außergewöhnlich gut erhalten und für Neustadt und den Hochschwarzwälder Raum einmalig, bietet sich das in der ursprünglichen Innendekoration erhaltene Erdgeschoss dar. Durch das reich skulptierte Sandsteinportal an der Westfassade betritt man zunächst eine weiträumige Eingangshalle, die sich durch original erhaltene Wandvertäfelungen und Stuckdecken auszeichnet. Auffallend ist die Stilvielfalt. So lehnen sich die historisierenden Wandverkleidungen aus Holz gotischen Formen an, während an den aufwendigen Türrahmen Jugendstilmotive erkennbar sind. Ähnliches ist für die kassettierte Stuckdecke auszusagen, wo rokokohafter Stuck auf Kassetten aufgebracht ist, wie wir dies eigentlich aus dem 16. oder 17. Jahrhundert kennen. Geschickt fügt sich in die Wanddekoration ein kunstvolles, zweiteiliges Buffet ein.
Annähernd im ursprünglichen Zustand hat sich auch der südlich an die Eingangshalle anschließende Theatersaal (heutige Jugendstilsaal) erhalten, der auf ähnliche Weise wie die Halle gestaltet wurde. Eine spätere, aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammende Zutat ist die Empore an der Westseite des Saals. Hervorzuheben sind wiederum die Wandvertäfelungen, die Türen samt Gewänden sowie die Decke, die durch kräftige Unterzüge unterteilt und durch feinen Stuck reich dekoriert ist.
Ins Auge fallen hier besonders figürliche Motive, wie Masken, Büsten oder Wappen tragende Engel. Nördlich der Eingangshalle befindet sich ein weiterer, als Gaststube dienender Raum, der die ursprüngliche Dekoration, bestehend aus Wandverkleidungen und Türrahmen, aufweist. Allen Räumen ist bezüglich der Dekoration die Verschmelzung unterschiedlichster Stileinflüsse eigen. So wurden historisierende Motive aus der Neogotik und der Neorenaissance neben Formen des Jugendstils gebraucht. In dieser Hinsicht ist das Gebäude mit seinen repräsentativen Räumen ein typisches Beispiel der Architektur bzw. der Dekorationskunst der Jahrhundertwende.


Darüber hinaus macht der Erhaltungszustand der Dekoration der Erdgeschossräume den Neustädter Hof für Titisee-Neustadt und den Hochschwarzwald einmalig.

Beim „Neustädter Hof" handelt es sich aus wissenschaftlichen, vor allem bau und stadtgeschichtlichen sowie aus heimatgeschichtlichen Gründen um ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung; die Erhaltung liegt insbesondere wegen des dokumentarischen und exemplarischen Wertes sowie wegen des Seltenheitswertes im gesteigerten öffentlichen Interesse.


Das Objekt wurde am 22.02.1984 mit der höchsten Schutzstufe 12 in das Denkmalbuch eingetragen.

Der Neustädter Hof wurde im Oktober 2005 von der Reifsteck-Stiftung e.V. vom Filmschauspieler Eddie Arendt erworben. Als Sondervermögen des Bildungswerkes – Reifsteck-Stiftung e.V. dient das Objekt als Kultur- und Begegnungsstätte für die Region Hochschwarzwald.